Warum sieht der Gespensterwald so aus?

Der Gespensterwald Nienhagen ist eines der schönsten Naturdenkmäler in Deutschland und der außergewöhnlichste Wald, den du an der Ostsee besuchen kannst. Wir haben einen Ausflug hierher gemacht und ich berichte dir darüber. Gewohnt haben wir bei Familie Miller im gemütlichen Ferienhof. Dort gibt es Zimmer, Ferienwohnungen und Ferienhäuser mit Frühstück.

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Die markante Optik im Gespensterwald

Der Gespensterwald in Nienhagen hebt sich von anderen Wäldern deutlich durch seine Optik ab. Dabei fragst du dich sicher, wie dieser Wald entstanden ist und warum die Bäume so krumm und verwunschen aussehen. Und warum genau hier und nicht überall an der Ostseeküste? Oder greift hier etwa der Mensch ein und die Bizarrheit des Wald ist eigentlich nur künstlich geschaffen? Hier bekommst du alle Antworten auf deine Fragen wie etwa: Warum sieht der Gespensterwald so aus?

Gespensterwald Nienhagen
Gespensterwald Nienhagen – mit einzigertiger Optik

Was macht den Gespensterwald so besonders?

Wenn du den Gespensterwald in Nienhagen betrittst, werden dir vermutlich als erstes die knorrigen, und krumm gewachsenen Bäume ins Auge stechen. Die Waldriesen wachsen nicht einfach gerade nach oben, sondern Stamm und die obenliegenden Äste winden und schnörkeln sich dem Himmel entgegen. Außerdem sind die grauen Stämme im unteren Bereich ganz kahl und tragen weder Äste noch Blätter. Nur ganz oben ragt eine dem Meer abgewandte, hohe Krone auf und der Baum beginnt sich zu verästeln.

Und auch unten am Boden ist es recht kahl. Vor allem vorne an der Küste gibt es kaum größeren Bodenbewuchs zwischen den Bäumen, und der Grund ist ganz flach und recht karg. So kannst du weit zwischen den Geisterbäumen hindurchsehen und einen Blick duch den Wald auf das Meer werfen. Besonders mystisch wird es dann, wenn im Gespensterwald Nebel aufzieht und die Bäume einhüllt. Doch wie ist es zu diesen Umständen im Gespensterwald Nienhagen gekommen?

Hohe, karge Bäume und lichter Boden im Gespensterwald

Warum sieht der Gespensterwald so aus?

An der Kante der bis zu 12 Meter hohen Steilküste begegnen sich zwei Naturgewalten: der dicht gewachsene Laubwald und die offene See. Die außergewöhnliche Gestalt des Waldes ist kein Zufall, sondern das Resultat jahrhundertelanger Anpassung an extreme Umweltbedingungen. Die oft über 100 bis sogar 170 Jahre alten Buchen, Eichen, Rotbuchen, Hainbuchen und Eschen wachsen auf nährstoffreichem Geschiebelehm, der während der letzten Eiszeit abgelagert wurde. Viele der Bäume sind knorrig gebogen, stehen schief im Boden oder tragen ihre Kronen fast ausschließlich auf einer Seite.

Ein echter Gespensterwald

Der salzige Seewind

Entscheidend für das bizarre Erscheinungsbild ist dabei die exponierte Lage direkt an der Ostseekante: Der starke und kontinuierliche Ostseewind kann hier ungehindert und ungebremmst auf die Küste und den Wald direkt darüber blasen. Der unablässig wehende, stark salzhaltige Seewind bläst feine Salzkristalle auf die dem Meer zugewandten Triebe. Dieses Salz entzieht den jungen Knospen die Feuchtigkeit und lässt sie absterben. Das erklärt schon einmal einen Teil der kahlen Stämme.

Das Wachstum der Bäume wird auf der Seeseite somit drastisch gehemmt, während die dem Land zugewandten Äste ungestört weiterwachsen können. Über Jahrzehnte entstehen dadurch die charakteristischen „Windflüchter“ – Bäume, deren Kronen sich wie schräg in das Landesinnere neigen. Und auch die Bäume lehen sich mit der Kraft des Windes oft leicht ins Landesinnere.

Warum sieht der Gespensterwald so aus

Das dichte Blätterdach

Der salzhaltige Seewind erklärt aber nur die kahlen Stämme auf einer Seite. Wenn du dir die Stämme im Gespensterwald anschaust, fällt auf, dass die Stämme glatt und frei von Ästen rundum im unteren Bereich sind. Das ist das Ergebnis eines biologischen Prozesses, den man als natürliche Astreinigung bezeichnet.

Die meist 90 bis 170 Jahre alten Rotbuchen wurden einst recht dicht gepflanzt und streben im ständigen Wettbewerb um Sonnenlicht steil nach oben. So schließt sich das Kronendach in 10 bis 15 Metern Höhe so dicht, dass nur wenig Licht durchdringt und dem darunterliegenden Wald fast jegliches Licht entzogen wird. Die unteren Äste bekommen in diesem Dichten Wuchs kaum noch Licht ab, sterben ab und fallen mit der Zeit von selbst ab – oder werden zumindest sehr schwach und brüchig. Für den Baum ist es einfach nicht lohnend große Äste mit Blättern im dunklen Schatten der Kronen wachsen zu lassen.

Der weite Blick durch den Wald auf die Ostsee

Stürme

Und was schließlich auch noch für die kahlen Stämme sorgt sind die teils heftigen Stürme an der Küste. Wie oben schon gesagt gibt es direkt an der Klippe nichts was den starken Ostseewind aufhält. Wenn nun bei starken Stürmen der Wind vom Meer durch den Wald pfeift haben schwache Äste im unteren Stammbereich oft keine Chance dem standzuhalten und brechen ab.

Der karge Waldboden

Nachdem nun die Form der Bäume klar ist bleibt immer noch die Frage, warum der Waldboden so kahl und kaum bewachsen ist. Das hängt auch mit dem Schatten den die dichten Kronen werfen zusammen. Wenn wenig Licht duch das Blätterdach dringt haben junge Plfanzen und Triebe am Boden oft keine Chance vernünftig zu wachsen und zu gedehen. Der Mangel an Licht raubt ihnen die nötige Energie.

Unterstützt wird der kahle Bodeneffekt durch die starken Küstenwinde, die organischen Humus kontinuierlich aus dem lehmigen Boden blasen. Somit bleibt den jungen Pflanzen nur der feste Lehmboden, aber keine organische Humusschicht um richtig wachsen zu können. Büsche, Sträucher und Verjüngungen haben dadurch keine Chance zu wachsen, was dem Wald seine fast künstlich geordnete, freistehende Säulenstruktur verleiht. Das beantwortet nun hoffentlich die anfängliche Frage: Warum sieht der Gespensterwald so aus?

Gespensterwald Nienhagen – unten kahl und hohe Kronen

Greift der Mensch in das Aussehen ein?

Bei deinem Spaziergang wirst du an einigen Stämmen kreisrunde, überwallte Schnittstellen entdecken. Hier drängt sich schnell die Frage auf: Werden die Äste etwa gezielt abgesägt, um den Gespenster-Look künstlich zu erhalten? Die Antwort lautet klar: Nein.

Der Gespensterwald steht seit 1943 unter Naturschutz, und es gibt keinen dekorativen Form- oder Künstlerschnitt an den Bäumen. Dass Sägen zum Einsatz kommen, hat rein praktische Gründe der Besuchersicherheit. Der Wanderweg enltang der Küste hat hier Priorität und muss sicher sein.

Da der Wald von vielen Spaziergängern, Wanderern und Radfahrern genutzt wird (unter anderem verläuft hier der Ostseeküsten-Radweg), müssen morsche oder abgestorbene Äste entlang der Hauptwege sauber abgesägt werden, bevor sie unkontrolliert herabstürzen. Ein sauberer Schnitt hilft dem Baum zudem, die Wunde schnell wieder mit neuer Rinde zu verschließen. Auch wenn nach einem Sturm Äste unsauber abgebrochen sind oder drohen abzubrechen werden diese beseitigt.

Warum ausgerechnet hier an der Ostsee?

Warum aber nun findet man Bäume wie im Gespensterwald nur in Nienhagen und nicht überall entlang der Küste an der Ostsee? Grundsätzlich gibt es Windflüchter an windigen Küsten immer wieder zu entdecken, aber nirgendwo bildet sich eine solche Kulisse wie in Nienhagen. Das liegt an der besonderen Geografie vor Ort: Der Gespensterwald grenzt direkt an eine steile Kliffküste. Es gibt keine vorgelagerten Dünen oder breite Strandabschnitte mit Gebüsch, die den Wind abfangen oder abschwächen könnten.

Zudem ist der Küstenwald an dieser Stelle nur etwa 100 Meter breit und erstreckt sich über rund 1,3 Kilometer an der Kante entlang. Nahezu jeder einzelne Baum in diesem Streifen ist den maritimen Urgewalten direkt ausgesetzt. Weiter im Landesinneren geht das Areal fließend in einen ganz normalen Buchenwald über. Es müssen also alle Bedingungen und Gegebenheiten zusammenspielen, um ein solches Naturwunder zustande zu bringen.

Die aufragene Steilküste am Gespensterwald – hier sind die Bäume exponiert und stehen voll im Wind

Weiterführend

–> hier findest du die Anfahrt zum Gespensterwald
–> oder schau dir alles zum Gespensterwald Parkplatz an
–> Wie kommt man vom Parkplatz zum Gespensterwald?

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